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Hannes Sprado: Kalt kommt der Tod

Habe ich 6 Stunden vertan oder verbracht?
Hannes Sprado hatte mich schon mal ziemlich geärgert. In seinem Krimidebüt Risse im Ruhm (2005) hatte der Herausgeber und Chefredakteur der PM-Zeitschriften mächtig genervt. Er strotzte vor Eitelkeit und Selbstüberhebung. Ein Hamburger Magazinjournalist rettet die Welt – das hatten schon bessere vergeblich versucht.
Ein paar Thriller später ist von dem Omnipotenz-Geblubber des Debüts kaum noch etwas übrig geblieben, nur noch ein Hauch von Allwissenheit zu Themen wie Waffentechnik, Oligarchenparfüme und U-Boote bringt den Lesefluss zum Stocken. Angenehm nüchtern reduziert Sprado in Kalt kommt der Tod alles, was Bedeutung annehmen könnte, aufs winzigste. Er hat einen schlichten, unprätentiösen Thriller geschrieben, den man gerne runterliest, wenn man nicht besseres zu tun hat. Das ist nicht wenig: Andreas Winkelmanns Deathbook habe ich schon nach wenigen Seiten weggelegt: Aufgeblasene Sprache, falsche Bilder, ein Ich-Erzähler, der sich als „zornigen Autor abgründiger Psychothriller“ gänzlich ironiefrei präsentiert – von derartigen selbstbezüglichen Eitelkeiten ist Sprado runter.
Nein, das Teil ist kühl wie Spitzbergen. Dorthin verschlägt es den Vietnamesen Phong Packer, der als Boat-People nach Bremen gelangt ist, dort von einer Reedersfamilie adoptiert wurde, zur Kripo ging, wegging, bevor er gefeuert wurde und sich jetzt als Privatdetektiv  durchschlägt. Nicht sehr realistisch, aber denkbar. In Spitzbergen soll er seine verschollene Adoptivschwester finden, wird schnell in handfeste Keilereien und üble Schießereien verwickelt, das alles bei heftigen Minusgraden. Keineswegs von Nachteil: Sprado scheint vor Ort gewesen zu sein. Mit Hilfe einiger anständiger Kerle und furchtloser Weiber überwindet Phong einen internationalen Konflikt, einen russischen Oligarchen und eine Putinsche Geheimdiensteinheit, der er auf dem Privatflughafen von DEADS den Garaus macht, wieder in heimischen Hamburger Gewässern.
Verbracht, nicht vertan – immerhin.

Hannes Sprado: Kalt kommt der Tod
Edition Temmen, 416 S., 14,90€