Monika Geier – Schreiben und Architektur

 

Monika Geier und Matthias Wittekindt haben zweierlei gemeinsam: Sie schreiben bemerkenswert normfrei Kriminalromane und beide sind studierte Architekten. 2018 bat ich sie, angeregt durch meine Fragen, etwas über ihr Verständis von Raum und Krimischreiben zu verfassen.
Hier sind Monikas Antworten auf meine Fragen, die Antworten von Matthias sind hier.

Als Architekt sieht man Räume und Landschaften bewusster oder professioneller als andere Menschen. Wie beeinflusst diese Sichtweise – sei sie bewusst oder unbewusst – Dein Schreiben?

Also eigentlich habe ich mich von der Architektur abgewandt und zu schreiben begonnen, als ich gemerkt habe, dass Architekt*innen Räume zähmen müssen. Von da ab hat mich der Beruf leider nicht mehr wirklich interessiert.
Räume, die du als Architekt*in zur Bearbeitung bekommst, müssen hell, freundlich, bewohnbar, dräniert und aufgeräumt sein, wenn du mit ihnen fertig bist. Aufregend und inspirierend an Räumen – auch an menschengemachten – ist aber, dass sie jede Art von Charakter haben können. Sie können auch dunkel, schroff und lebensfeindlich sein. Und in jedem Fall sind sie nicht ganz beherrschbar. Das darfst du dem Bauherrn gegenüber aber nicht zugeben. Du musst letztlich immer ins Positive und Funktionale hineinarbeiten und die Illusion bedienen, dass Umwelt anpassbar ist. Für was anderes würde der Bauherr kein Geld ausgeben. Als Architekt*in musst du die dunkle Seite des Raums aus deinem Denken verbannen. Das würde mir sehr schwerfallen.

Und noch was: Du als Architekt*in musst immer – immer! – stärker sein als der Ort, den du bebaust. Zumindest für eine Weile. Sonst sind deine Gebäude nicht sicher. Das heißt: Wenn du gut bist und man dich lässt, ringst du mit dem Ort, gewinnst ihm seine Magie ab und erschaffst etwas, das sich einfügt oder den Zauber sogar erhöht. Andernfalls machst du erstmal alles platt oder baust woanders, wo es nicht so toll ist. Aber du musst auf jeden Fall deinen Bauplatz beherrschen, notfalls indem du seinen Charakter schwächst. Dieses Gewinnenmüssen fände ich auf Dauer ermüdend. Beim Schreiben ist das ganz anders, da kannst du einem Raum sehr wohl seine Stärke lassen.

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