Matthias Wittekindt – Schreiben und Architektur

Veränderst Du die realen Inspirationsräume? Müssen sie sich ändern, um fiktionstauglich zu werden?

Ja ich ändere, und vor allem stelle ich zusammen. Das ist auch der Grund warum ich fiktive Orte kreiere und mich nicht z.B. an Bielefeld oder Paris abarbeite. Die Elemente, aus denen ich meine Topografie zusammenstelle, die Landschaftselemente, Häuser, Fahrzeuge müssen mich – ich meine, darauf kommt viel an – an Situationen erinnern. Die Konstellationen müssen Gefühle in Gang setzen. Es muss nicht Nacht sein, damit etwas unheimlich ist, es muss Nacht sein, weil ich ein Gefühl für diese Situation habe. Später kann es sein, dass sich Räume verändern. So steht auf einmal in einer Dorfkneipe die ich mir doch schon so schön vorgestellt hatte, auf einmal ein Billardtisch. Weil sich vielleicht Jugendliche da so schön nebenbei anfassen oder in Streit geraten können, oder weil ich selbst in dem Alter mal Billard gespielt habe. Manchmal passiert das nur weil eine Figur zufällig sagt. „Lust Billard zu spielen?“ Würde sie sagen „Kommt, wir fahren ins Autokino.“ Dann entstünde auf einer Kuhwiese eins. Ein unerklärliches Autokino auf einer Kuhwiese ist beim Schreiben in jedem Fall fruchtbar. Gerade, weil es auf den ersten Blick falsch ist.

Das ist es, was mir Spaß macht beim Schreiben: Ich folge den Figuren durch diese zusammengesetzten Landschaften, die sie teilweise durch ihre Gespräche erst erzeugen. Eine fertige Stadt oder einen Plot zu haben würde mir jegliche Lust nehmen. Im Gegenteil, ich ärgere mich oft darüber, dass mir – nachdem ich inzwischen seit 30 Jahren schreibe – immer so schnell mögliche Plots einfallen.

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