Matthias Wittekindt – Schreiben und Architektur

Zum Abschluss noch ein Satz der den Wert des Architektonischen einordnet: Häuser, Zimmer, Gärten, Möbel, Straßen, Mutters Kaffeemaschine, das sind die Gegenstände und Orte, an denen wir unsere Welt erfahren haben.

Das Entscheidende bleiben die Figuren, denn die ziehen mich durch diese Landschaften und Räume.

Jetzt noch etwas ohne Frage:

Ich spüre eine Verpflichtung meinem Stoff formal gerecht zu werden, das ist ein quasi automatisches Verlangen, das mich antreibt. Ein Buch ist ja nicht in erster Linie die Absicht etwas zu einem bestimmten Thema mitteilen. Das wäre Journalismus, das ist ein anderer Beruf. Der Impuls zu schreiben hat nur am Rande damit zu tun, dass man sein Publikum über etwas unterrichten will. Und schon gar nicht vollständig, man erzeugt nur ein paar Tableaus. Es muss auch nicht alles auf etwas hinauslaufen oder etwas erklären, denn so ist es nicht im Leben. Das ist der Grund, warum ich sehr vorsichtig bin, politische oder moralische Themen anzufassen, denn da besteht die Gefahr, dass man sich mitreißen lässt, dass man schlimmstenfalls die Situation bewertet und vor lauter Befindlichkeit das eigentliche Momentum gar nicht erfasst.

Was mich über die vielen Monate, die es dauert ein Buch zu schreiben bei der Stange hält, was die Freude am Schreiben ausmacht, ist eher die Aussicht des Entdeckers und Kartografen. Nur wird hier eben nicht alles zu Ende kartografiert.

Im Erfassen der Momente und in der Form zeigt sich, ob mich selbst interessiert, was ich schreibe. Themen gibt es en Masse und was uns heute noch bedeutsam erscheint … Voila. Das Erfassen ist die eigentliche Utopie.

(c) Matthias Wittekindt 2018

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