Schlagwort-Archive: Serienmörder

Wenn der Killer gegen Alzheimer kämpft

Aufzeichnungen eines Serienmörders – das ist nicht gerade ein Titel, von dem man sich in Pandemiezeiten Ermutigung erhofft. Und doch bietet dieser Thriller des koreanischen Autors Young-Ha Kim auf raffinierte Weise Seelentrost, enthalten doch die Notate des siebzigjährigen Byongsu Kim eine komplexe, teils auch paradoxe Reflexion über Zeit, Leben und Sterben.

Wer könnte darüber besser nachsinnen als ein Serienmörder im Ruhestand, dessen Verstand vom Verschwinden durch Alzheimer bedroht ist? Eingestreut in die straffe, aber zwangsläufig immer stärker zwischen Realitätsverlust und Einbildung schwankende Thrillerhandlung sind Erinnerungen an die Bedingungen des Mordens unter der japanischen Besatzung Südkoreas und der späteren Diktatur, aber auch philosophische Gedankenschnipsel. „Alzheimer ist ein schlechter Scherz, den sich das Leben mit einem alten Serienmörder erlaubt“ – derartige zwischen platter Komik und Aphorismus schillernde Perlen von dubiosem Echtheitsgrad machen auch eine wiederholte Lektüre zum Vergnügen.

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Antonin Varenne: Die sieben Leben des Arthur Bowman

Großartiger Sommerschmöker

Vielleicht gibt es in jeder Dekade den einen Abenteuerroman. Mitte der Siebziger Jahre war es für mich Shogun von James Clavell. Über andere müsste man weiter nachdenken.
Aktuell ein herrliches Exemplar: Die sieben Leben des Arthur Bowman von Antonin Varenne
Varenne geht von der einfachen Tatsache aus, dass Mitte des 19. Jahrhunderts die Globalisierung so weit fortgeschritten war, dass ein einfacher Mann in der Spanne seines Lebens auf (fast) allen Kontinenten leben und arbeiten konnte – als Soldat.
Nach ersten Aufenthalten in Afrika, noch als Schiffsjunge, wird Arthur Bowman in Diensten der britischen Ostindischen Kompanie als „härtester Sergeant Indiens“ in den frischen Kolonialkrieg gegen Burma geschickt. Für eine geheime Mission soll er zehn Männer auswählen. Kurz nach einem Massaker am Ufer des Irrawaddy scheitert das Unternehmen, die Zehn werden von Einheimischen gefangen genommen. Sieben Jahre später tut ein traumatisierter, seine Albträume mit Opium und Schnaps dämpfender Bowman in London Polizeidienst. Während einer Hitzeperiode, in der die Stadt sich in eine Kloake verwandelt, entdeckt Bowman eine Leiche. Sie ist verstümmelt mit dem gleichen Narbenmuster, das er und seine zehn Soldaten auf dem Körper tragen – Folgen der Foltern in Burma.

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